Paolo Nutini

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23.06.2010
"We Need To Quiz" mit Paolo Nutini
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15.06.2010
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14.06.2010
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Sunny Side Up

Paolo Nutini Cover Sunny Side UpSunny Side Up“ – so bezeichnet man im allgemeinen Spiegeleier, die nur einseitig gebraten werden, damit das Gelbe in der Mitte flüssig bleibt.
Tatsächlich finden sich auf dem Cover des zweiten Albums von Paolo Nutini auch zwei Spiegeleier. Und doch ist anzunehmen, dass es dem schottischen Sänger bei der Wahl des Albumtitels um weit mehr ging als nur die Spiegeleier. Um ein grundlegendes Gefühl nämlich, eine Lebenseinstellung, die der 22-Jährige vermitteln will: „Sunny Side Up“, die Sonnenseite nach oben!, ist die von Nutini ausgegebene Devise –und das fängt bereits mit besagtem Albumcover an.
Neben den Spiegeleiern dominieren auf dem dargestellten Bild eines gezeichneten, an einem Tisch sitzenden Paolo Nutini-Look-a-Likes lauter positive Images: strahlend rote, gelbe und grüne Farben, jubilierende, musizierende Ameisen auf dem Tisch, ein Regenbogen im Fenster – „lasst uns die schönen Seiten im Leben würdigen, das Positive, Schöne“, scheint uns dieses Plattencover zu sagen.

Ein Eindruck, den auch die Musik auf „Sunny Side Up“ bestätigt:

Bereits im ersten Song legt sich Paolo zu gut gelauntem Trompeten-Stößen und Barpiano-Geklimpere so mächtig ins Zeug, um „ten out of ten“ Punkte bei einer Herzensdame zu bekommen, dass man unvermittelt mitschnipst.

Es würde jedoch gegen die Vielseitigkeit Paolo Nutinis sprechen, würde es nun in jedem Song so weitergehen – Tempo, gute Laune, Fingerschnipsen, und tatsächlich besitzt bereits der zweite Song „Coming Up Easy“ eine wesentlich bittersüßere Note. Doch auch in diesem klassischen Singer/Songwriter-Stück, in dem sich Paolo mit seiner Beziehung zum Marihuana auseinandersetzt, überwiegt bei aller Melancholie ein positives Grundgefühl, eine dem Leben zugewandete Einstellung. Oder, wie Paolo es selbst formuliert: „Es geht um schlechte Angewohnheiten und Trennung, aber ich wollte es möglichst positiv halten.“

Klingt alles ganz schön reif für einen 22-Jährigen, ist es auch. Der Sänger war bereits vor zwei Jahren mit seinem Debüt „These Streets“ seinem Alter voraus, und er hat mit „Sunny Side Up“ noch einmal einen beeindruckenden Sprung nach vorn gemacht. Das gilt für seine Stimme, die so herrlich whiskey-schwanger und lässig klingt, wie man es selbst bei Bob Dylan in diesem Alter kaum kannte.
Das gilt für die Tiefe und Wahrheit in seinen Texten. Und es gilt für die stilitstische Vielfalt, die Nutini und seine kongeniale Band „The Vipers“ demonstrieren. Nutini nimmt sich völlige Narrenfreiheit heraus und bewegt sich mühelos zwischen den Stilen. Der Rocksteady-Rhythm von „10/10“ und das klassische Singer/Songwriter von „Coming Up Easy“ bilden erst den Anfang  – in der Folge streut er mit „No Other Way“ eine ergreifende Soul-Nummer im Stile eines Otis Redding ebenso ein, wie er mit „Pencil Full Of Lead“ dem frühen Elvis Presley alle Ehre macht.

Dass die dazwischen anzufindenden Singer/Songwriter-Nummern ebenfalls hervorragend gelungen sind, überrascht dabei fast am wenigsten – diese Qualität hatte der Schotte auf seinem Debüt bereits zu genüge unter Beweis gestellt. „Sunny Side Up“ ist all das das, plus eine Vielfalt und eine Reife, die bestechen: „Es gibt kein Genre und keinen Stil, dem ich mich zurzeit verpflichtet fühle“, erklärt Nutini dazu schlicht. „Es sollte sich organisch entwickeln und sehr direkt werden, so dass man es einfach nur so nehmen kann, wie es ist.“

Das kann man, das will man sogar, unbedingt.

Nico Cramer

 

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