Paolo Nutini
Sunny Side Up
Ein Eindruck, den auch die Musik auf „Sunny Side Up“ bestätigt: Bereits im ersten Song legt sich Paolo zu gut gelauntem Trompeten-Stößen und Barpiano-Geklimpere so mächtig ins Zeug, um „ten out of ten“ Punkte bei einer Herzensdame zu bekommen, dass man unvermittelt mitschnipst. Es würde jedoch gegen die Vielseitigkeit Paolo Nutinis sprechen, würde es nun in jedem Song so weitergehen – Tempo, gute Laune, Fingerschnipsen, und tatsächlich besitzt bereits der zweite Song „Coming Up Easy“ eine wesentlich bittersüßere Note. Doch auch in diesem klassischen Singer/Songwriter-Stück, in dem sich Paolo mit seiner Beziehung zum Marihuana auseinandersetzt, überwiegt bei aller Melancholie ein positives Grundgefühl, eine dem Leben zugewandete Einstellung. Oder, wie Paolo es selbst formuliert: „Es geht um schlechte Angewohnheiten und Trennung, aber ich wollte es möglichst positiv halten.“ Klingt alles ganz schön reif für einen 22-Jährigen, ist es auch. Der Sänger war bereits vor zwei Jahren mit seinem Debüt „These Streets“ seinem Alter voraus, und er hat mit „Sunny Side Up“ noch einmal einen beeindruckenden Sprung nach vorn gemacht. Das gilt für seine Stimme, die so herrlich whiskey-schwanger und lässig klingt, wie man es selbst bei Bob Dylan in diesem Alter kaum kannte. Dass die dazwischen anzufindenden Singer/Songwriter-Nummern ebenfalls hervorragend gelungen sind, überrascht dabei fast am wenigsten – diese Qualität hatte der Schotte auf seinem Debüt bereits zu genüge unter Beweis gestellt. „Sunny Side Up“ ist all das das, plus eine Vielfalt und eine Reife, die bestechen: „Es gibt kein Genre und keinen Stil, dem ich mich zurzeit verpflichtet fühle“, erklärt Nutini dazu schlicht. „Es sollte sich organisch entwickeln und sehr direkt werden, so dass man es einfach nur so nehmen kann, wie es ist.“ Das kann man, das will man sogar, unbedingt. Nico Cramer
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