Interviews
"Heiraten ist mir zu teuer"
Ein schottischer Sänger mit italienischem Namen?! – Klar, Paolo Nutini! Der 22-Jährige verrät im Interview zwischen Konzerten und Videoaufnahmen, was er vom Heiraten hält und worauf er stolz ist.
Paolo Nutini sieht ein wenig verschlafen aus, als er in München zum Interview eintrifft. Kein Wunder, denn der sympathische 22-jährige Schotte aus Glasgow hat mit seinem zweiten Studioalbum „Sunny Side Up“ einen großen internationalen Wurf gelandet. Eine rauchige Stimme, eine gute Band und eine wilde, aber gekonnte Mischung aus Musikstilen von Ragtime über Soul bis Pop sind für seinen Erfolg verantwortlich. Anders als bei „These Streets“ konnte er sich im Studio dieses Mal komplett austoben: „Wir hatten die Möglichkeit, alles auszuprobieren, was ich und meine Band wollten. Es gab keinerlei Bedingungen. So konnten wir ins Studio gehen und haben dort an unseren Songs herumprobiert. Manche Lieder auf „These Streets“ waren zum Aufnahmezeitpunkt schon drei Jahre alt. Bei „Sunny Side Up“ ist das nicht so. Die Aufnahmen haben wirklich viel Spaß gemacht.“
Paolo Nutini scheut die Konkurrenz nicht
Der Sohn eines Imbissbudeninhabers ist zufrieden mit dem, was er tut: Er sei ein Neuling, der versucht das Handwerk des Musikmachens zu erlernen. Er fühlt sich nicht bedrängt von den Singer-Songwritern und Chartstürmern rund um Jack Johnson und James Morrisson: „Es gibt keinen Wettbewerb mit ihnen. Ich fühle mich wohl mit meiner Musik. Das ist es, was zählt. Lieber würde ich gehasst werden für das, was ich mache, als geliebt werden für etwas, das ich nicht bin“, erzählt Nutini.
Heiraten?!
In seinem Video zu „Candy“, der ersten Single-Auskopplung aus „Sunny Side Up“, heiraten die Protagonisten. Wer wäre denn die glückliche Braut in Paolos Fall? „Ganz klar, meine Freundin. So ist zumindest der Plan. So muss es doch auch sein, oder?“ Allerdings hat der Schotte im Moment eher selten Heiratsgedanken: „Heiraten ist ein großes Wort für mich, eine Verantwortung. Das ist nichts, wozu ich mich hinreißen lassen möchte. Außerdem ist es teuer.“ – Teuer? Aber muss denn in Schottland nicht der Vater der Braut die Hochzeitsfeier bezahlen? Nutini lacht: „Oh doch, die Hochzeit schon, aber die Scheidung nicht. Ich möchte mir beim Heiraten sicher sein, es ist für mich wirklich eine große und bindende Entscheidung.“
„Simple Things" dem Vater gewidmet
Anders sei er es auch nicht gewohnt, sagt Nutini. In einem glücklichen Elternhaus aufgewachsen, hat er als Dank seinem Vater den Song „Simple Things“ auf seinem Album gewidmet. „Dieser Song ist zu 100 Prozent für meinen Vater. Er hat mir gute Werte vermittelt und hat genau das erreicht, was er wollte: eine glückliche Familie mit zwei Kindern. Dieses Lied soll ihm zeigen, wie sehr er mich und mein Leben immer noch prägt. Das macht sonst keiner: kein Freund, keine Freundin – nur mein Vater.“
Paolo Nutini der stolze Schotte
Aber war er seinem Vater auch immer so dankbar, als er im schottischen Glasgow mit einem durch und durch italienischen Namen aufwuchs? Nutini lacht: „Viele dachten, ich gebe nur vor, einen italienischen Namen zu haben. Ich glaube, manche dachten, mein echter Name wäre Paul Nunn oder so und ich wollte durch meinen italienischen Namen cooler wirken.“ Aber ist er denn stolz darauf, ein Schotte zu sein? „Klar! Ich bin eine tolle Mischung: Italienisches und – dank meiner Mutter – auch noch neuseeländisches Blut fließen in meinen Adern und ich bin in Schottland geboren. All diese Völker haben eines gemeinsam, worauf ich sehr stolz bin: Sie haben alle für ihre Identität und ihre Freiheit gekämpft.“ Spätestens mit diesem Satz wird klar: Paolo Nutini ist wirklich ein stolzer Schotte, denn schöner hätte es selbst Mel Gibson in der Rolle des schottischen Freiheitskämpfers William Wallace in „Braveheart“ auch nicht sagen können.
(Quelle: www.bequeen.de)